Bremsscheiben + Klötze an der Hinterachse wechseln
 
 

 

Diese Anleitung ist nicht speziell für einen Polo 9N gemacht, sondern von einem Audi A6 Avant 2,5 TDi, Baujahr 1997, kann aber trotzdem super verwendet werden, da das Prinzip bei fast allen VW gleich ist! Beim Polo weichen lediglich die Größen und Schrauben ab!

 

Benötigt werden folgende Materialien:

  • verschiedenes Werkzeug
  • Luftdüse + Kompressor
  • Flex mit Schrubaufsatz
  • Kolbenzurücksteller (siehe Bild links!)
  • Plastilube (KEINE Kupferpaste!)
  • spezielles Bremssattelfett
  • Satz Bremsklötze (original VW bzw. Audi)
  • Satz Bremsscheiben (original VW bzw. Audi)
  • irgendeine relativ große Mutter (für das Fixieren der Bremsscheibe)
  • Drahtbürste
  • Schaber
  • Metall-Feile
  • eventuell "Lock-Tite"
  • Bremsenreiniger

Kosten ca. variieren je nach Fahrzeug!

Zeit: je nach Fahrzeug und Gangbarkeit der Teile.

Allgemein ca. 30 min pro Seite!

 

Und so geht's:

Zuerst muss natürlich der Wagen hochgehoben und das entsprechende Rad abgebaut werden.

Nun muss man sich zuerst einen Überblick verschaffen und Fragen nachgehen wie:

  • sind die Bremsklötze auf beiden Seiten gleichmäßig runtergefahren?
  • sind die Staubmanschetten an den Bremssattelführungen auf den ersten Blick in Ordnung?
  • ist irgendwo Bremsflüssigkeit ausgetreten?
  • wie sieht das Bremsseil aus?
  • wie sieht die Bremsleitung aus?
  • hat die Bremsscheibe irgendwelche Verfärbungen?
  • wie sieht die Bremsfläche der Bremsscheibe aus...Flugrost?

Hat man dies Punkte abgearbeitet kann es weitergehen.

Jetzt muss man schauen, wie man den Bremssattel abschrauben kann, um die Bremsklötze entfernen zu können.

So, aus dieser Sicht sieht man, welche Schrauben rausgedreht werden müssen, um den Bremssattel frei zu bekommen. (rote Kreise)

Um diese abzuschrauben muss man gegenhalten. Der rechte Schlüssel fixiert nur die Bremssattelführung, damit diese beim Lösen der Schraube (links) nicht mitdreht.

Es wird also nur der linke Schlüssel gedreht!

 

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Das gleiche Prozedere auch oben. Es ist eigentlich egal, ob man oben oder unten anfängt.

 

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Um den Bremssattel bei Seite legen zu können, muss das Handbremsseil ausgehakt werden. Dazu einfach mit einem Schraubendreher die kleine Klammer (roter Kreis) aushebeln und den Handbremshebel am bereits gelösten Bremssattel hochdrücken (blauer Pfeil), damit das Seil auch am Ende ausgehakt werden kann. Geht nicht immer per Hand.

 

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Hier eine Großaufnahme der Klammer!

 

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Ist die Klammer weg und das Seil ausgehakt, kann man es durch die Führung nach hinten wegdrücken!

 

 

Der jetzt nur noch am Bremsschlauch hängende Bremssattel kann nun für bequemereres Arbeiten bei Seite gelegt werden. Er wird gleich bearbeitet

 

 

Ist der Bremssattel bei Seite gelegt, hat man freien Ausblick auf die Bremsklötze. Eventuelle Mängel werden jetzt am deutlichsten. Die Bremsklötze sind nur gesteckt bzw. reingeschoben und können bei Seite gedrückt und rausgenommen werden.

 

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Damit die Bremsscheibe ausgebaut werden kann, muss auch der Bremssattelhalter raus. Ich persönlich nehme ihn fast immer raus, egal ob die Bremsscheibe gewechselt werden muss oder nicht, da so das Reinigen sehr vereinfacht wird.

Der Bremssattelhalter ist bei jedem Fahrzeug unterschiedlich befestigt, doch das Prinzip ist auch hier in der Regel gleich. Man muss aber genau hinschauen, damit man auch die richtigen Schrauben rausdreht!

In diesem Fall sind es zwei Inbusschrauben (rote Kreise).

 

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Hier kann man sehr schön erkennen, dass es kein Fachmann war, der schon einmal die Bremsanlage erneuert hat. Die komplette Radnarbe ist mit Kupferpaste bestrichen!

Das sollte man tunlichst vermeiden, denn wenn man sich vorstellt, dass nur 100ste Millimeter ausreichen, damit die Bremsscheibe unrund läuft und beim Bremsen rubbelt, kann man auch sich vorstellen was eine derartige Schicht Kupferpaste anrichtet!

Also weg damit, und die Radnarbe sauber schleifen. Am besten geht dies mit einer Schrubscheibe auf einer Flex!

Zudem sollte man NUR Plastilube und KEINE Kupferpaste zu Service-Arbeiten an der Bremsanlage benutzen (Außnahme: Der Bremssattelkolben + Führungen werden mit speziellem Bremssattelkolbenfett versehen!), denn Plastilube bleibt immer sehr fettend im Gegensatz zu Kupferpaste, die verhärtet!

 

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So sollte es dann aussehen! Die Bremsscheibe muss auch später wieder auf eine total saubere und mit nix beschmierte Radnarbe gesetzt werden!

 

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Bevor es an das Zurückdrehen des Bremssattelkolbens geht, empfiehlt es sich einwenig WD-40 über eine kleines Röhrchen, unter die Staubmanschette des Kolbens zu geben. Somit dreht das Gummi anschließend nicht mit!

 

 

Jetzt geht es an das Zurückdrehen des Bremssattelkolbens!

Dazu braucht man Spezielwerkzeug (siehe Bild)!

Der Kolben muss reingedrückt und gleichzeitig nach rechts gedreht werden. Bei VW gilt allgemein, dass auf der linken, sowie auf der rechten Seite der Kolben immer nach rechts reingedreht wird. Bei anderen Fahrzeugherstellern ist es zum Teil so, dass der Kolben auf der linken Seite auch nach links und der auf der rechten Seite nach rechts gedreht werden muss! Muss man also drauf achten, ob er gleich anfängt reinzugehen oder nicht!

Ohne ein derartiges Werkzeug gefährdet man die Nachstellautomatik des Bremssattels zu zerstören!

 

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So wird mein Spezialwerkzeug eingesetzt. Nun kann man den Kolben problemlos und ohne große Kraftanstrengungen reindrehen.

 

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Hier ist er nun drinne. Jetzt kann man schonmal die Fläche des Bremssattelkolbens mit einer Feile sauberschleifen und mit Plastilube versehen (hab leider keine Bilder davon gemacht!). Auf die Staubmanschette achten!

Gleichzeitig sollte man die Leichtgängigkeit des Handbremshebels an dem Bremssattel überprüfen.

 

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Der Handbremshebel muss in seiner jetztigen Position ganz am Anschlag sitzen. Ist alles gangbar und leichtgängig, muss er sich mit dem Daumen bis zum Anschlag auf der anderen Seite drücken lassen.

 

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Achtet darauf, ob der Bremssattelkolben auch einwenig rauskommt!

Wenn das so wie beschrieben funktioniert könnt ihr weiter machen.

Wenn nicht, könnt ihr versuchen ihn mit hin und her bewegen gangbar zu machen, oder gleich einen neuen Bremssattel bestellen, denn die einmal wieder gangbar gemachten fressen sich sehr schnell wieder fest!

 

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Die äußeren Flächen des Bremssattels sollten auch sauber geschliffen und mit Plastilube versehen werden.

Nun muss noch der Bremssattelhalter gereinigt und auf seine Funktion überprüft werden. Dazu empfiehlt es sich, ihn in einen Schraubstock einzuspannen.

 

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Zur Funktionsprüfung:

Man muss beide Führungsbolzen des Bremssattelhalters auf ihre Freigängigkeit hin überprüfen. Das geht, indem man sie soweit rauszieht, bis die Staubmanschette fast abspringt. Dabei muss man auch gleichzeitig die Staubmanschette auf Beschädigungen prüfen, denn eine beschädigte Staubmanschette hat unweigerlich das Festsetzen des Bolzens zur Folge!

 

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Das ganze natürlich auch umgekehrt: Also reindrücken bis zum Anschlag. Lassen sich die Bolzen ganz leicht bewegen sind sie in Ordnung.

 

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Um ganz genau zu sein, kann man die Führungsbolzen noch rausnehmen (sind einfach nur reingedrückt) und diese neu fetten. Dazu spezielles Bremssattelfett verwenden!

 

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Das sieht man hier. Der Bolzen wurde gereinigt und neu eingefettet. Das kann man ruhig relativ großzügig machen!

 

(zum Vergrößernauf das Bild klicken!)

Wie eingangs schon beschrieben muss auch der Bremssattelhalter gereinigt und mit Plastilube versehen werden.

Reinigen bedeutet in diesem Fall, dass die Flächen, auf denen später die Bremsklötze liegen sauber geschliffen sind!

 

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Die neue Bremsscheibe muss entfettet werden (wobei man sich das im Fall von derartigen, beschichteten Bremsscheiben auch eigentlich sparen könnte. MAn sollte auch die Beschichtung an den Laufflächen runterschleifen!

 

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Auch die Bremsklötze sollten gefettet werden. Die Klötze, welche anschließend im Bremssattel auf die Seite des Bremssattelkolbens kommen, sollten nicht nur an den Liegeflächen (siehe gepunktete Linie), sondern auch an der Fläche für den Kolben gefettet werden (siehe Kreis!).

Die Bremsklötze, die außen an den Bremssattel kommen, brauchen nicht zusätzlich oben gefettet werden, da (wie bereits am Anfang der Anleitung beschrieben) der Bremssatel selbst großzügig eingefettet wurde.

Das hat den Vorteil, dass man das Fett von außen (z.B. bei relativ offenen Felgen) nicht erkennen kann.

 

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So, jetzt muss wieder alles zusammengestzt werden. Zuerst die Bremsscheibe (welche in dem Fall durch eine große Mutter und eine Radschraube fixiert wurde), dann der Bremssattelhalter und anschließend die Bremsklötze.

Die Anzugsdrehmomente der Schrauben des Bremssattelhalters variieren sehr stark. Wenn man sich nicht sicher ist, wie stark eine Schraube angezogen werden muss, sollte man sie so fest wie möglich anziehen und das Gewinde eventuell noch mit Lock Tite (Schraubensicherung) versehen.

 

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Jetzt ist es schon fast gesachafft. Der Bremssattel wird draufgesetzt und mit den beiden NEUEN Schrauben fixiert. Es muss UNBEDINGT darauf geachtet werden, dass die beiden Federn der Bremsklötze, gerade hinter dem Bremssattel liegen (roter Kreis), sodass die Bremsklötze optimal in Position gedrückt werden.

 

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Hier noch ein Übersichtsfoto, wie es aussehen sollte, wenn auch noch die beiden Schrauben des Bremssattels festgeschraubt sind und auch das Handbremsseil wieder eingehakt ist.

Die Felgenführung der Radnarbe sollte man von außen, nachdem alles wieder zusammengesetzt ist auch noch einwenig mit Plastilube einschmieren. Das erleichtert das Abnehmen der Felge bei manchen Autos!

 

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Wer sich die Bilder dieser Anleitung aufmerksam angeschaut hat, hat sich bestimmt die Frage gestellt: "Wieso wechselt er noch vom Profil her gute Bremsscheiben + Klötze aus?!"

Hier ist die Antwort (siehe Bild!)

Dieser, total bis aufs Metall abgefahrene Bremsklotz stammt von der anderen, linken, nicht dokumentierten Seite des Audis.

Ursache dafür: Die Führungsbolzen des Bremssattelhalters haben sich durch eine gerissene Staubmanschette festgesetzt!

Hinweis:

Bevor ihr dann mit dem Wagen fahrt, muss öfter auf das Bremspedal gedrückt werden, damit auch beide Klötze an der jeweiligen Bremsscheibe anliegen. Die Handbremse stellt sich nach kurzer Zeit automatisch nach!

Zudem sollte man starkes Bremsen die ersten 200 - 500 Km vermeiden (es sei denn in Notsituation!), damit sich die neuen Bremsscheiben und Bremsklötze aufeinander anpassen können. Man wird ca. bis zu den ersten 50 Km ein leicht stumpfes Bremsgefühl haben. Ist aber normal, denn wie schon gesagt, müssen sie die Scheiben anpassen!

 

(zum Vergrößern auf das Bild klicken!)